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Interview BSC

Oliver Mayer, bekannt als BSC / SymbiosiS, ist ein Programmierer und Musiker, der vor allem für seine Arbeit als Audio-Programmierer auf dem Amstrad CPC berühmt ist. Von ihm stammen mehrere Demos sowie der Soundtrakker (1991). Ich war neugierig, mehr über ihn zu erfahren, habe also um ein Interview gebeten, und er hat freundlicherweise zugesagt! Was für ein Glück wir haben :)

Olivier im Jahr 2014
Olivier im Jahr 2014

1. Hallo Oliver! Kannst du dich bitte vorstellen? Was machst du beruflich? Und so weiter.

Hallo! Ich heiße Oliver, bin 42 Jahre alt (juhu), verheiratet und Vater eines wunderbaren kleinen Jungen.

Ich arbeite inzwischen seit 15 Jahren als Softwareentwickler und habe mich vor ein paar Jahren selbstständig gemacht. Auf dem CPC war ich zwischen 1985 und 1994 unterwegs (nehme ich an, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wann ich aufgehört habe) und bin vor etwa 2 Jahren wieder aufgetaucht, um an einem SID-Player/-Tracker zu arbeiten.

2. War der Amstrad CPC der erste Computer, den du je hattest? Wann hast du deinen ersten CPC bekommen?

Nein. Mein erster Computer war ein Sinclair ZX Spectrum 48k, den ich mir mit einem meiner Brüder geteilt habe. Ich erinnere mich, wie wir Spiel um Spiel von einem riesigen Koffer voller Kassetten geladen haben, den wir uns von einem Typen geliehen hatten, den wir nur flüchtig kannten. Ich glaube, wir bekamen ihn irgendwann 1984, und ich musste etwa 1 Jahr warten, bis ich meinen CPC 464 bekam. Auf dem Speccy gab es so viele coole Spiele: Tranz Am, Pssst!, Jetpac und mehr. Wir haben damals viel gespielt.

Mit dem CPC kam ich, glaube ich, irgendwann 1985 in Berührung. Ich hing damals in ein paar örtlichen Kaufhäusern herum — Kaufhof, Quelle, Hertie. Dort wurden alle aktuellen Maschinen vorgeführt: VIC20, der C64 und der C128, ZX Spectrum, Apple II, Atari XL und so weiter, und natürlich ein paar Amstrad- / Schneider-CPCs. Ich erinnere mich, dass ich zuerst einen VIC20 wollte, diese Idee aber fallen ließ, nachdem ich am CPC 464 daneben herumgespielt hatte.

An Weihnachten 1985 bekam ich endlich meinen eigenen CPC 464 mit Grünmonitor — juhu! :D Auf das Diskettenlaufwerk musste ich noch eine ganze Weile warten. Deshalb war es für mich nur natürlich, mich in Breaking Baud zu verlieben :)

Ein Sinclair ZX Spectrum 48k
Ein Sinclair ZX Spectrum 48k

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3. Siehst du dich als Programmierer oder als Musiker?

Als beides, würde ich sagen. Ich mochte beides sehr und könnte mich nicht für eines von beiden entscheiden. Ich glaube, es kam ziemlich natürlich, dass ich auf dem CPC als Musiker endete, nachdem ich so viel Zeit mit verschiedenen Trackern auf verschiedenen Plattformen verbracht hatte. Und manchmal war Democoding einfach nicht so befriedigend wie das Komponieren oder Arrangieren eines schönen Stücks :)

Ich spiele auch gern Gitarre, und einer meiner Träume ist eine Computer- und Videospiel-Coverband mit anderen Nerds — Final Fantasy, Street Fighter und andere SNES-Spiele, klassische C64-Stücke und so weiter. Das wäre einfach so großartig *Wink mit dem Zaunpfahl*

Die meisten Kinder haben damals wohl mit BASIC-Programmierung angefangen, dann vielleicht mit Assembler, und bei mir war es genauso. Aber Computermusik hat mich von Anfang an interessiert. Ich habe tatsächlich eine Menge Spielemusik gehackt, bevor ich langsam dazu kam, selbst Musik zu machen.

Advanced Music Sampler (Volume 2) von BSC

4. Laut cpcwiki warst du Mitglied der Gruppe GCS — zu der auch EGS (Elmsoft), Weee! und DJH gehörten. GCS steht für „Godless Cracking Service“. Heißt das, deine ersten CPC-Aktivitäten waren das Cracken von Spielen?

So in etwa.

Auch wenn das lange war, bevor ich Mitglied von GCS wurde, die, soweit ich weiß, nie irgendetwas gecrackt oder irgendeinen Crack veröffentlicht haben. So gottlos waren wir! Übrigens dachte ich immer, GCS bedeute etwas anderes, habe aber nie zu fragen gewagt. Wie dem auch sei, ich glaube, meine ersten nicht mit BASIC verbundenen Aktivitäten auf dem CPC waren tatsächlich das Cracken von Spielen.

Speedlock 7 (TAPE) — Copyright-Hinweis
Speedlock 7 (TAPE) — Copyright-Hinweis

Am Anfang hatte ich einen 464 ohne Diskettenlaufwerk, und alle anderen, die ich kannte (etwa die Leute, die in den erwähnten Kaufhäusern herumhingen), hatten Diskettenlaufwerke oder trugen zumindest ständig Stapel von 3-Zoll-Disketten mit sich herum. Um überhaupt an Spiele zu kommen, musste ich sie von Diskette auf Kassette übertragen, was manchmal eine Art Cracken einschloss. Ich hatte mich so daran gewöhnt, dass wir anfingen, das Ladenpersonal zu überreden, uns ihre Spiele zum „Testen“ zu leihen; dabei versuchte ich, diese Spiele zu cracken, und bekam auch gleich eine frische Kopie auf eine der Kassetten, die ich ständig mit mir herumtrug :) Später habe ich noch mehr gecrackt, aber nie wirklich eigene Loader oder Intros mit Markenzeichen gebaut. Ich habe damals alle meine Loader in Opcodes geschrieben, und mehr als die einfache CAS-IN-Ladesequenz hinzuzufügen wäre wohl viel zu schmerzhaft gewesen — selbst für mich.

Und ich erinnere mich noch, wie ich fand, dass Speedlock einer der härtesten Kopierschutze überhaupt war.

Ich hatte auch ein paar befreundete Cracker, und mit einem davon (hallo LCC!) habe ich mich in einen Wettbewerb gestürzt, wer zuerst eine funktionierende gecrackte Fassung des neuesten Spiels hinbekommt, das wir in die Finger bekamen. Ach! Das waren Zeiten … Meine Crack-Aktivitäten haben übrigens auch zu meinem Pseudonym geführt. LCC und ich haben früher wahllos in Spielen herumgepokt, um zu sehen, ob das ein Förderband in Aligata Blagger verändert oder so.

Später fanden wir heraus, dass sich Texte im Spiel verändern lassen, wenn man an den richtigen Stellen pokt, und an einem dieser Tage probierte ich Bruce Lee aus und begann, den Ladebildschirm zu verändern, auf dem ein riesiges „Datasoft“-Logo prangte, das ich irgendwie in „Betasoft“ verwandelte.

Der Ladebildschirm von Bruce Lee
Der Ladebildschirm von Bruce Lee

5. Du hast von 1988 bis 1993 mehrere Demos gemacht. Könntest du diese Aktivitäten (kurz!) zusammenfassen? Hast du Erinnerungen zu erzählen?

Aber sicher! Wie jeder weiß, waren meine ersten 8 Demos (genial betitelt mit BSC DEMO 1 bis 8) Meilensteine der Democoding-Kunst, und ich glaube, ich habe die meisten der wichtigen Techniken erfunden, etwa Scrolling, Rupture (das später von den Franzosen geklaut wurde) und so weiter …

Scherz beiseite: Ich war noch eher Cracker, als ich BSC DEMO 1 gemacht habe, und ich habe mich immer gefragt, wer all diese Leute waren, die in den Cracker-Intros gegrüßt wurden, die manchen der Spiele beilagen, die ich in die Finger bekam. Da ich zu jener Zeit noch nie eine echte Demo auf dem CPC gesehen hatte, war ich überzeugt, ich sei der Einzige, der tatsächlich so etwas wie Demos auf dem CPC produziert.

BSC Demo 1
BSC Demo 1
BSC Demo 2
BSC Demo 2
BSC Demo 5
BSC Demo 5
BSC Demo 6
BSC Demo 6
BSC Demo 3
BSC Demo 3
BSC Demo 4
BSC Demo 4
BSC Demo 7
BSC Demo 7
BSC Demo 8
BSC Demo 8

Wenn ich so darüber nachdenke: Ich glaube, ich kam auf die Idee, eine Demo auf dem CPC zu versuchen, weil ich viele Demos auf den C64s und Amigas gesehen hatte, die im Kaufhof und Co. so beliebt waren. Jedenfalls brachte mich der Umstand, von all den ständig gegrüßten Leuten keine Demos zu sehen, dazu, mich zu fragen, ob es sie überhaupt gibt, und ich entschied: nein, das sind nur ein paar Cracker, die ihren Lamer-Freunden Grüße schicken :)

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BSC Megademo kam viel später — ich glaube, alle meine ersten 8 Demos entstanden 87 und 88, und die Megademo entstand 91, wenn ich mich recht erinnere. Inzwischen hatte ich endlich die deutsche CPC-Szene kennengelernt (Hallo Pluton und Thriller!), und ich erinnere mich, dass es einer der demütigendsten Momente meines CPC-Lebens gewesen sein muss, KKB First Demo zum ersten Mal zu sehen.

Diese Demo war eine Offenbarung für mich, und ich konnte nicht glauben, dass so etwas auf dem CPC möglich war. Deshalb hat der Hauptteil der BSC Megademo eine gewisse Ähnlichkeit mit KKB First. Für mich war das damals THE Demo. Ich habe auch gern an größeren Demos mitgewirkt, etwa der CeBit Party 91 Demo mit einer Menge Raaaaahhh! :)

KKB First von KKB (1990)
KKB First von KKB (1990)
The Demo von Logon System (1991)
The Demo von Logon System (1991)
Raaahh! (CeBit Party 91)
Raaahh! (CeBit Party 91)

Zwischen 1989 und 1994 war ich auf recht vielen CPC-Partys, die immer großen Spaß gemacht haben: das ganze Wochenende quatschen, Spiele und Demos und Klatsch tauschen, Bier trinken, großartig essen wie Pizza und wirklich viel Blödsinn reden … Ich gehörte jedenfalls nicht zu den fleißigsten Party-Codern. Wir sind oft auf die Straße gegangen und haben Wände, Türen und Telefonzellen mit unseren 80-pt-Permanentmarkern getaggt ;-)

Eine besonders schöne Nacht, an die ich mich erinnere, war einmal bei Mickey von TCW, wo wir mitten in der Nacht Incognito V angerufen haben; das Gespräch lief ungefähr so (kein Scherz), mit eingeschalteten Lautsprechern, damit alle mithören konnten:

Incognitos Vater (offenbar): Hallo?

BSC: Hallo, kann ich bitte mit Vince sprechen?

Vater: Mhh, der schläft schon …

BSC: Aber es ist wirklich wichtig! Meine Rasterbalken flackern!

Vater: Oh, dann muss ich ihn wohl wecken!

Alle sind vor Lachen zusammengebrochen, und wir haben uns eine ganze Weile nicht wieder beruhigt … Ich glaube, Vinces Vater hat ihn später wirklich ans Telefon geholt, aber das folgende Gespräch war ziemlich nutzlos (und meine Rasterbalken liefen ohnehin einwandfrei) … :D

6. Du kommst aus Deutschland (sonst wäre dein Pseudonym ja nicht „BetaSoft Cologne“!). Es gab so etwas wie einen (freundschaftlichen) Krieg (Wettbewerb …) zwischen der französischen und der deutschen Szene. Hast du das damals gespürt?

Ja, es gab so etwas wie einen „Krieg“, eher einen Wettbewerb, der von beiden Seiten recht ernst genommen wurde. Natürlich haben die Franzosen die Sache viel zu ernst genommen und dabei allen Spaß vermissen lassen :D Nein, sie waren einfach verdammt gute Democoder (und auch zahlenmäßig weit mehr), und ich glaube, wir haben uns sehr angestrengt, Schritt zu halten.

Aber ich gehörte ohnehin nie zu den besten Democodern, also habe ich mich aufs Schlechtreden verlegt und auf andere Techniken, die gesprochene (oder über den Bildschirm scrollende) Sprache einsetzten.

Ich erinnere mich an die Black Mission Party alias Euromeeting 1 bei BMC und daran, wie viel Angst wir hatten, das Logon-Team und andere Franzosen zum 1. Mal zu treffen. Ich hatte besondere Angst, weil ich in der BSC Megademo einen versteckten Teil hatte, der eine „gestohlene“ Grafik benutzte (die ihrerseits vom Amiga gestohlen war) und das großartige Cybernoid-2-Stück vom Atari ST, und in dem ich mich außerdem über das Logon-Team lustig machte :D Aber alle waren wirklich nett, und ich fand mich an einem 6128 Plus wieder (meine erste Begegnung damit, soweit ich mich erinnere), zusammen mit Longshot (Salut Serge!), fachsimpelnd über den ASIC. Die Franzosen waren wirklich großartige Kerle und unglaublich talentierte Democoder, das muss ich zugeben :)

Hier klicken für die englische Übersetzung des Berichts über das Treffen European Demo Party (danke, CPCRulez!).

Ein Artikel im französischen Magazin Amstrad Cent Pour Cent hat die Nachricht von einem freundschaftlichen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland verbreitet
Ein Artikel im französischen Magazin Amstrad Cent Pour Cent hat die Nachricht von einem freundschaftlichen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland verbreitet

Leute vom Euromeeting 2 in Reims. Hintere Reihe: K-OS, Hiroyuki, Alien, Thriller, BSC und Elmsoft
Crittersoap, Excalibur, Odiesoft, Crown und Weee

7. Danach hat sich dein Interesse zur Audio-Programmierung verlagert … warum?

Der ursprüngliche Protracker auf dem Amiga

Ich war damals schon in Computermusik vertieft und habe immer das Fehlen eines ordentlichen Musikprogramms wie Soundtracker oder Protracker beklagt, die ich vom Amiga kannte. Ich glaube, ich habe ein paar Sachen mit Sample-Wiedergabe versucht, die ziemlich eindeutig scheiterten, aber damals hätte ich nie an einen nativen AY-Tracker für den CPC gedacht, weil ich insgeheim schon nach dem Amiga Ausschau hielt (bitte nicht abdrucken!) (NoRecess: doch, habe ich! :-))

Aber dann las ich in Amstrad Action einen Artikel darüber, wie die Audiotreiber professioneller Musiker funktionieren, und da war ich am Haken. Vielleicht habe ich ein paar kleine Versuche gemacht, aber sie können nicht sehr brauchbar gewesen sein, denn ich erinnere mich nicht wirklich daran. Eine Zeit lang bin ich also auf Noisetracker von MTI ausgewichen, zusammen mit einem Musiktreiber, den WEEE! dankenswerterweise beisteuerte. Aber so großartig es war, dass es Noisetracker gab, so begrenzt war er auch, und ich hatte weiterhin das Bedürfnis nach etwas Besserem.

8. Soundtrakker ist wahrscheinlich das Programm, für das du am bekanntesten bist. Zum ersten Mal gab es auf dem CPC eine Entsprechung zu den beliebten Audio-Trackern, die es damals auf anderen Plattformen gab (hallo, Protracker auf dem Amiga!). Hast du Erinnerungen zu erzählen? (Entwicklungswerkzeuge, die ersten Leute, die das Programm getestet haben, Werbung/kommerzielle Unterstützung usw.)

Soundtracker (ZX Spectrum — 1991)

Du hast BSCDEMO 1 bis 8 vergessen — aber gut, überlassen wir das der Wikipedia.

Wie erwähnt war ich an Noisetracker gewöhnt, als ich diesen Artikel in Amstrad Action las, und — ungefähr zur selben Zeit, glaube ich — bekam mein Bruder (der inzwischen ein ZX-Spectrum-Democoder namens DMC geworden war) ein Programm namens Soundtracker in die Hände, das sehr nach dem Soundtracker aussah und funktionierte, den ich vom Amiga kannte. Ich war elektrisiert und wollte so etwas auch für den CPC!

Also habe ich im Grunde angefangen, einen Tracker zu schreiben, der die Stücke des ZX-Spectrum-Soundtracker lesen und ohne Umwandlungsschritte abspielen konnte (abgesehen vom Übertragen vom Speccy natürlich), und daraus wurde die erste Fassung von Soundtrakker. Ich habe ein paar weitere Dinge ergänzt, die ich haben wollte, und war am Anfang mein eigener bester Kunde :)

Ich erinnere mich wirklich nicht, wer die ersten Leute waren, die es getestet haben, aber **ich erinnere mich, dass ich es vorgestellt habe** auf einer der **GOS**-Partys in **Bad Hersfeld**, wo andere CPC-Leute davon Notiz nahmen. Ich habe das Ding (wie alles andere, was ich übrigens auf dem CPC gemacht habe) mit **Hisoft Devpac** programmiert, genauer mit **GENA3**, das einen eingebauten Editor hatte, der nur zeilenorientiert war. Er war wirklich unbequem zu bedienen, und ich hätte wohl zu **Maxam** oder etwas Ähnlichem wechseln sollen, aber irgendwie ist das nie passiert. Und man konnte nicht von Diskette assemblieren oder anderen schicken Kram machen, also musste ich die Teile von **Soundtrakker** über manuelle Sprungtabellen verbinden, die den Editor mit dem Player und den Diskettenoperationen und allen anderen Teilen zusammenklebten … wirklich fummelig! ---
Ich erinnere mich wirklich nicht, wer die ersten Leute waren, die es getestet haben, aber ich erinnere mich, dass ich es vorgestellt habe auf einer der GOS-Partys in Bad Hersfeld, wo andere CPC-Leute davon Notiz nahmen. Ich habe das Ding (wie alles andere, was ich übrigens auf dem CPC gemacht habe) mit Hisoft Devpac programmiert, genauer mit GENA3, das einen eingebauten Editor hatte, der nur zeilenorientiert war. Er war wirklich unbequem zu bedienen, und ich hätte wohl zu Maxam oder etwas Ähnlichem wechseln sollen, aber irgendwie ist das nie passiert. Und man konnte nicht von Diskette assemblieren oder anderen schicken Kram machen, also musste ich die Teile von Soundtrakker über manuelle Sprungtabellen verbinden, die den Editor mit dem Player und den Diskettenoperationen und allen anderen Teilen zusammenklebten … wirklich fummelig! —
Der Soundtrakker V1.0 (Amstrad CPC — 1992)
Der Soundtrakker V1.0 (Amstrad CPC — 1992)

Die kommerzielle Unterstützung für Soundtrakker kam von New Age Software und Weeske (einem bekannten Vertreiber von CPC-Hardware und -Software), die das ganze Verpacken und den Versandhandel übernommen haben; aber nachdem ich nun vielleicht 20 Jahre darüber nachgedacht habe, komme ich zu dem Schluss, dass ich es selbst hätte machen sollen — vielleicht als Shareware. Zu einem viel besseren Preis und trotzdem mit größerer Marge. Und natürlich mit mehr verkauften Exemplaren. Ich wäre jetzt sooo reich! ;-)

Die Cover-Grafik für die Verpackung stammt übrigens ebenfalls von DMC — danke, Kumpel! :)

9. Prodatron hat den Digitrakker gemacht, das sample-basierte Gegenstück zum Soundtrakker. Was hieltest du davon?

Octoates DigiBlaster
Octoates DigiBlaster

Ich habe nie wirklich verstanden, warum Digitrakker und Protracker so beliebt waren.

Sie klangen ziemlich schlecht, wenn man keinen Digiblaster hatte, und für viel mehr als einen mehr oder weniger statischen Bildschirm taugte das nicht.

Digitracker V1.4 von Prodatron
Digitracker V1.4 von Prodatron

Nichts, worauf ich damals besonders scharf gewesen wäre. Ich war einfach zu froh, einen funktionierenden Tracker für AY-Musik zu haben, um mich noch einmal mit gesampelter Musik auf dem CPC zu beschäftigen. Technisch waren diese Sample-Tracker natürlich beeindruckend, aber sie waren einfach nichts für mich.

10. Noch einmal zu Soundtrackern: Was würdest du 2014 zum Komponieren von Musik für den CPC empfehlen? Den Soundtrakker, Starkos (CPC-Fassung), einen Tracker auf dem ST, der YM erzeugt, einen PC-Tracker (ArkosTracker, VortexTracker …)?

STarKos V1.2

Soundtrakker natürlich! Zumindest würde ich ihn wohl weiterhin benutzen.

Ich habe AMC und Starkos ausprobiert und nie richtig verstanden (abgesehen von den technischen, mit der Player-Geschwindigkeit zusammenhängenden Gründen), warum zumindest in Starkos jeder Effekt in die Instrumente eingebaut sein muss. Man kann keine unabhängigen Arpeggios oder Slides haben, all das muss Teil des Instruments selbst sein …

Ich war die Arbeitsweise von Soundtracker (Amiga) / Protracker so gewohnt, dass ich das nicht in den Kopf bekam. Und Soundtrakker war (für mich) so leicht zu bedienen. Aber ich verstehe, dass CPU-Zyklen in der CPC-Welt nach dem Jahr 2000 zu noch selteneren Edelsteinen geworden sind und dass der Soundtrakker-Player nicht zu den schnellsten gehört.

Ich habe auch über einen neuen Song-Compiler nachgedacht, der einen schnelleren/stabilen Player ausgeben könnte, aber dann bin ich über SID gestolpert

11. Du hast im Diskussionsforum des Wiki einen Prototyp einer SID-basierten Wiedergaberoutine veröffentlicht. Kannst du uns mehr über dieses Projekt erzählen?

Eklhaft SP2 (ZX Spectrum)
Eklhaft SP2 (ZX Spectrum)

Vom SID-Effekt auf dem Atari ST habe ich wirklich spät erfahren. Mitte der 2000er, glaube ich, und nachdem ich gelesen hatte, wie er auf dem ST (mit seinen ausgefeilten Timern und so weiter) gemacht wurde, hielt ich ihn auf dem CPC für mehr oder weniger unmöglich.

Eine Weile später erregten mehrere Dinge meine Aufmerksamkeit: Ich sah Backtro von Overflow und lernte so, dass es auf dem CPC tatsächlich machbar ist. Dann sah ich Eklhaft SP2 auf dem Speccy und dachte: Verflixt! Sogar der Speccy kann das!

Dann sah ich Cubase64 und war so beeindruckt, dass ich das Whitepaper verschlungen habe, das Pex dazu veröffentlicht hat. Übrigens beeindruckendes Zeug — meines Erachtens Pflichtlektüre für jeden, der sich mit digitaler Audioerzeugung befasst. Und schließlich traf ich einen freundlichen Oric-Coder in den Defence-Force-Foren, der mir erklärte, wie SID und Sync Buzzer und ein paar andere Effekte technisch gemacht werden. Und nachdem ich all das eine Weile gemischt und verrührt hatte, kam eine erste Fassung eines „SID audio lab“ dabei heraus, das im Vergleich zu AYAY Kaeppttn sehr, sehr einfach war, aber ich konnte endlich einen von Hand gemachten SID-Effekt auf meinem geliebten emulierten CPC hören.

Damals dachte ich, ein neuer Tracker mit SID und Buzzer und so weiter, der zudem einen schnellen (stabilen) AY-Player ausgeben kann, wäre etwas, wonach die CPC-Szene hungert — da lag ich gewaltig falsch. Ich konnte mich nicht dazu aufraffen, all das drumherum zu bauen, was daraus einen vollwertigen Audio-Editor gemacht hätte; ich habe es trotzdem veröffentlicht, und nun ist es tot …

Vielleicht arbeite ich in Zukunft daran weiter, und vielleicht gibt es in 1 oder 5 oder 10 Jahren ein fertiges Produkt. Vielleicht etwas früher, wenn mir jemand hilft — es gab Leute, die Interesse bekundet haben, aber alle sind eben so beschäftigt mit ihren eigenen Projekten … Wir werden sehen …

Cubase64 von Mahoney (C64)
Cubase64 von Mahoney (C64)

12. Deine CPC-Musik wurde zwischen 92 und 95 massenhaft in mehrere Demos gerippt. Was denkst du darüber?

Ich muss sagen, dass mir das nicht bewusst war (zumindest nicht das Massenhafte daran), bis vor Kurzem, als ich mir ein paar großartige Demos aus der zweiten Hälfte der 90er angesehen habe.

Ich finde es großartig, dass diese Stücke in coolen Produktionen benutzt wurden, und meistens wurde ich sogar genannt, also kein Problem :)

Woran ich mich in Sachen „gestohlene“ Stücke noch erinnere, ist die Tatsache, dass jemand buchstäblich meine Diskettenbox gestohlen hat (oder sie sich vielmehr eine Weile geliehen hat), und zwar auf einer Party in Wuppertal, soweit ich mich erinnere. Dieser Jemand hat sie nachts aus meinen persönlichen Sachen genommen, während ich schlief, um all meine unveröffentlichten und teils unfertigen Stücke zu kopieren. Wer immer es war, er muss ein richtig verkorkster Mistkerl gewesen sein. Andererseits hat dieser Vorfall meinen Stücken wohl in mehrere Demos geholfen — zumindest teilweise.

Swab Meeting '93 von Rebels
Swab Meeting ‘93 von Rebels

13. Ich nehme an, du verfolgst die Amstrad-CPC-Gemeinde weiterhin in regelmäßigen Abständen. Gefallen dir die Produktionen, die in den letzten Jahren erschienen sind?

Batman Forever von der Batman Group (2011)

Aber sicher! In letzter Zeit sind viele beeindruckende Demos erschienen.

Zuallererst natürlich Batman Forever. Wieder eine Offenbarung und eine der coolsten CPC-Produktionen überhaupt! Die daran anschließenden Diskussionen über die verwendeten Techniken konnte ich allerdings nicht nachvollziehen. Für mich ging es beim Demomaking immer darum, Dinge zu tun, die für unmöglich gehalten wurden. Etwas, das Rhino meisterhaft hingelegt hat!

Gefallen haben mir auch Breaking Baud, Still Rising, From Scratch, Yet Another Plasma! und das Zeug von NoRecess, natürlich :) Es gab außerdem einige recht beeindruckende Spiele wie Super Edge Grinder. Und es war wirklich schön zu sehen, dass es der CPC als Plattform in den letzten Jahren geschafft hat, Leute aus anderen Szenen anzuziehen. Sieht so aus, als seien die Zeiten der harten Plattformkriege endlich vorbei :)

Und auch wenn es beeindruckend ist, so viele neue Hardware-Erweiterungen zu sehen, wäre es mir lieber, die Leute steckten mehr Energie in Software-Produkte, denn die kann jeder mit einem CPC benutzen.

14. Hast du noch Kontakt zu anderen Mitgliedern der Szene? Zu deinen alten Freunden von damals?

Es sind tatsächlich ziemlich viele Leute. In letzter Zeit sogar noch mehr, hauptsächlich wegen AYAY Kaeppttn. Aber mit Prodatron war ich die ganze Zeit in Kontakt (wir haben sogar einige Jahre in derselben Firma gearbeitet), und ich treffe Face Hugger, Odiesoft und Fraggle regelmäßig, um Videospiele zu spielen und Bier zu trinken. Ich schreibe außerdem mit ein paar Leuten wie Thriller und Pluton, und ich hatte in letzter Zeit viel Kontakt mit einigen Leuten aus dem CPC-Wiki-Forum und von pushnpop.

Meine liebsten Neuzugänge auf der musikalischen Seite des CPC sind Ultrasyd und McKlain, mit denen ich auch seit einer Weile in Kontakt stehe. Und eines, das mich wirklich glücklich gemacht hat, war zu hören, dass Ultrasyd sich für Chiptunes zu interessieren begann, nachdem er ein CPC-Stück von mir gehört hatte — die schönste Geschichte, die ich je über meine Musik gehört habe :)

Digital Orgasm von Symbiosis (1994)
Digital Orgasm von Symbiosis (1994)

15. Betrachtest du dich noch als Mitglied von SymbiosiS?

Lass mich überlegen …

Ich glaube, die Gruppe ist eigentlich tot, aber ich war Mitglied, als ich aufgehört habe, und ich habe nie ein Austrittsformular ausgefüllt, also: ja, gewissermaßen.

Für mich bestand diese Gruppe aber aus Alien, Prodatron, Made und mir. Prodatron hat nach Belieben weitere Leute einverleibt — wahrscheinlich, wenn ihm richtig langweilig war ;-)

16. Als Chiptune-Liebhaber: Welche Art von Musik hörst du im wirklichen Leben täglich?

Nicht täglich :D

Aber ich bin nach wie vor sehr in Chipmusik vertieft, und es gab vor einigen Jahren eine Zeit, in der ich wirklich regelmäßig das Demoscene-Radio nectarine gehört habe, und ich schaue immer noch hin und wieder bei SoundCloud vorbei.

Oh! Ich sehe gerade, dass ich die Frage falsch gelesen habe :D :D Nun, ich mag viele Musikstile, aber derzeit höre ich nicht regelmäßig viel Musik. Davon abgesehen bin ich ein großer Fan von Pink Floyd und Muse, Jason Mraz, RHCP, Dire Straits, Steve Vai und vielen mehr. Übrigens! Mit vielen großartigen Bands bin ich beim Hören von Radio Paradise in Berührung gekommen. Meines Erachtens das beste Onlineradio der Welt. Schauen Sie mal rein: http://radioparadise.com.

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17. Das Interview ist schon vorbei. Möchtest du noch etwas hinzufügen?

Evoke 2014 in Köln
Evoke 2014 in Köln

Ich würde wirklich gern mehr aktive CPC-Leute im echten Leben treffen; deshalb habe ich versucht, für die Demoparty Evoke zu werben, die jedes Jahr im August in Köln stattfindet. Also — auf geht’s, CPC-Volk! Es ist eine schöne Party, großartige Stimmung, die Stadt hat viel zu bieten, und man kann BSC treffen :D

Und ich möchte ein großes „Danke, ihr seid großartig!“ an all die Jungs und Mädels rufen, die immer noch Zeug auf ihren CPCs produzieren und damit helfen, die Erinnerung an Arnold am Leben zu halten :)

Danke, Oliver!!* Ich nutze die Gelegenheit, dir hier öffentlich für den fantastischen Soundtrakker* zu danken. Dieses Programm war als Teenager fast 3 Jahre lang mein täglicher Begleiter! Ach, Erinnerungen :)

Danke auch an CPCRulez, CPC-Power, Octoate und Pouet für die Bildschirmfotos.

Unten ein Video der Demo Digital Orgasm: Ihr zweiter Teil enthielt eines der besten Musikstücke, die je für den CPC komponiert wurden, von BSC (adaptiert von der Amiga-Musik Space Debris).

Die Demo Digital Orgasm auf YouTube

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